feministisches Streikkollektiv Thurgaul
 


#frauenhausTGjetzt!

Wir fordern ein Frauenhaus für den Thurgau


Sehr geehrte Mitglieder des Grossen Rats
Wir wenden uns an Sie in einer Sache, die keinen weiteren Aufschub duldet: Der Kanton Thurgau hat kein Frauenhaus – und das im Jahr 2026. Unsere Vorgängerinnen des Thurgauer Frauenstreiks haben sich bereits 1991 für Schutzstrukturen für gewaltbetroffene Frauen eingesetzt. 36 Jahre sollten reichen.
Mit über 300'000 Einwohner*innen ist der Thurgau der einzige Kanton mit mehr als 200'000 Einwohner*innen ohne eigenes Frauenhaus (siehe Factsheet). In der Schweiz stirbt alle zwei Wochen eine Frau durch häusliche Gewalt. Schweizweit fehlen gemäss dem Parallelbericht der Zivilgesellschaft zur Umsetzung der Istanbul-Konvention (2025) rund 75% der notwendigen Schutzplätze - die bestehenden Frauenhäuser sind chronisch überlastet, ihre Mitarbeiter*innen am Limit.


Artikel 23 der Istanbul-Konvention, die die Schweiz 2017 ratifiziert hat, verpflichtet die Unterzeichnerstaaten und ihre subnationalen Einheiten ausdrücklich, ausreichend geeignete und leicht zugängliche Schutzunterkünfte bereitzustellen. Der Europarat empfiehlt ein Familienzimmer pro 10'000 Einwohner*innen (GREVIO Baseline Evaluation Report Switzerland 2022: 41) - für den Thurgau wären das mindestens 30 Plätze. Der Parallelbericht benennt als Hauptkritikpunkte die chronische Unterfinanzierung sowie der fehlende strukturelle Einbezug von Zivilgesellschaft, NGOs und Fachpersonen in die Entscheidungsprozesse auf allen föderalen Ebenen.
Eine Leistungsvereinbarung mit anderen Kantonen reicht nicht: Angesichts der schweizweiten Überlastung der bestehenden Frauenhäuser ist das keine Lösung. Der Kanton Zürich kritisierte kürzlich ausdrücklich seine Nachbarskantone für fehlende Schutzstrukturen. Notwendig ist eine echte Mitträgerschaft nach den Standards des Leistungskatalogs sowie den Empfehlungen der SODK und eine konfessionslose, nicht profitorientierte Trägerschaft. Ein Frauenhaus muss nicht zwingend im Kanton Thurgau stehen - eine gemeinsame Trägerschaft mit Schaffhausen – das ebenfalls kein Frauenhaus hat und geografisch direkt angrenzt, wäre ein logischer und sinnvoller erster Schritt.


Unsere Forderung: Verabschieden Sie gemeinsam und parteiübergreifend eine Motion an den Regierungsrat mit dem klaren Auftrag, aktiv Mitträgerschaft für ein Frauenhaus zu übernehmen.
Am 1. April debattiert der Kantonsrat über die Interpellation «Ermordet, weil sie Frauen sind» - wenn das Traktandum nicht schon wieder verschoben wird. Ein Regierungsbericht und eine parlamentarische Debatte reichen uns nicht. Wir werden vor dem Rathaus Frauenfeld präsent sein – und zeigen, dass wir das Wegschauen des Kantonsrats nicht weiter tolerieren.
Die Bevölkerung des Thurgaus schaut hin. Handeln Sie.